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Elternzeitreise – Ein Zwischenbericht

IMG_8767Wo seid ihr gerade und was habt ihr bisher erlebt?

Wir sind momentan in Cairns, also im Nordosten Australiens am Great Barrier Reef. Seit unserem Reisebeginn sind gut 3 Monate vergangen, welche wir, bis auf 5 Tage in Sydney, in Neuseeland verbracht haben. Zwei Monate davon sind wir im VW Bus von Christchurch nach Auckland, also vom Süden in den Norden, dem Wetter nachgereist. Die darauffolgenden Wochen haben wir in verschiedenen Airbnbs verbracht, bevor wir dann letzte Woche nach Australien übergesetzt sind.

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Wie könnt ihr euch das leisten?

Ich würde uns nicht als reich bezeichnen, allerdings stimmt es, dass wir in den alten Bundesländern leben und ich einen gut bezahlten Job habe. Das wars aber auch schon. Ich bekomme, abzüglich Kassenbeiträge, etwa 50% meines Nettogehalts als Elterngeld. Mein Mann ist Student und hat kein Einkommen.
Ich glaube, wenn einem das Reisen wichtig ist, dann findet sich ein Weg. Da wir immer von dieser längeren Auszeit geträumt haben und auch nicht in den billigsten Jugendherbergen übernachten oder in die klapprigsten Flugzeuge steigen, finanzieren wir den Großteil über Ersparnisse. Das Elterngeld deckt die Eintrittsticket und die Lebenshaltungskosten. Der Rest, knapp 20T für Unterkünfte, Fahrzeugmieten und Flugtickets wurde in den letzten Jahren gespart, indem wir beispielsweise nur zu zweit geheiratet haben, auf 47 Quadratmetern leben und fast kein Geld für die (unnötige) Babyausstattung bezahlt haben. Außerdem haben wir unsere Fixkosten in Deutschland auf ein Minimum reduziert, indem wir unsere Wohnung und unser Auto vermietet haben und Handyverträge und ähnliches pausieren. Im schlimmsten Fall wäre das Geld für die Kinderwunschbehandlung drauf gegangen. Glücklicherweise war das nicht notwendig.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich Kollegen nicht verstehe, die aus Kostengründen keine Elternzeit nehmen. Ich könnte meine Ausgaben für ein Eigenheim etc. nicht so knapp kalkulieren, dass ich keine Zeit mehr für die Familie habe. Aber eben da liegt die genannte Priorität bei uns vielleicht einfach anders. Ein Eigenheim ist bei uns jedenfalls in den nächsten Jahren aufgrund von Immobilienpreisen und dem einen Gehalt sowieso keine Option. Daher leben wir eher nach diesem Motto:

„Travel is the only thing you buy, that makes you richer.“ – unknown

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Wie hat sich durch die Reise eure Beziehung als Paar bzw. jetzt als Familie verändert?

„Wohin auch immer wir reisen, wir suchen, wovon wir träumten, und finden doch stets nur uns selbst.“ – Günter Kunert

Das Ziel der Reise war es immer uns als Familie fern ab vom Alltagstrott neu zu definieren. Nachdem nun mehr als dreiviertel der Reisezeit vergangenen sind, traue ich mich zu behaupten, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dorthin zu gelangen war jedoch alles andere als einfach. Die ersten Wochen zu dritt auf etwa 6 Quadratmetern haben wir sehr viel gestritten. Es wurde so schlimm, dass der einzige Grund, dass mein Mann nicht vorher nach Hause geflogen ist, wohl nur der Preis der Flugtickets war.
Im Nachhinein kann ich sagen, dass es wichtig war. Es wurden viele Dinge angesprochen, welche Zuhause wahrscheinlich nicht zu Tage gekommen wären. Vorstellungen und Wünsche die wir unter den Tisch gekehrt hätten, nur damit sie länger unter der Oberfläche brodeln, bis das wir uns unabänderlich verfahren hätten.
Keiner von uns hatte eine Ahnung wie schwer die ersten Monate mit einem Kind werden würden. Wie sehr man sich selbst aufgeben muss und gleichzeitig gezwungen ist Prioritäten zu setzen in einem neuen Leben.
Ich weiß erst jetzt, was Hormone und Schlafentzug mit einem anstellen können und kann daher auch jetzt erst verstehen und nachvollziehen wieso sich viele Paare nach der Geburt eines Kindes trennen.
Dennoch glaube ich, dass wir jetzt auf dem richtigen Weg zu dritt sind, dass wir unsere Stärken und Schwächen kennen und uns gegenseitig unterstützen um die (neuen) Ziele in unserem Leben gemeinsam zu erreichen.
Ich bin gespannt, wie es wird, wenn wir wieder Zuhause sind.

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Wird euch nicht langweilig oder werdet ihr reisemüde? Wie sieht ein Tag auf eurer Reise aus?

Von früheren Reisen kannten wir Gedanken wie: „Nicht noch ein Tempel!“ und haben uns daher vorab mit anderen Langzeitreisenden ausgetauscht. Fazit war immer: Nehmt euch Zeit. Wenn man eine festgelegte Route in kürzester Zeit zurücklegen muss, dann steigt das Frustrationspotential und es gibt kein Puffer für zahnende Babys oder einfach nur schlechtes Wetter. Daher hatten wir zum einen nur eine ganz grobe Route und haben die Sehenswürdigkeiten immer erst kurz vorher auf Basis unserer aktuellen Aufnahmebereitschaft festgelegt. Außerdem versuchen wir am Wochenende faul zu sein. Reisen und Urlaub ist nämlich nicht das Gleiche.
Und als letztes gilt der Grundsatz: mit Kind nie mehr als eine Sehenswürdigkeit am Tag. So kommen wir sehr entspannt und offen voran und es ist noch keine Reisemüdigkeit aufgetreten.

Ein durchschnittlicher Tag beginnt um 07:30. Da ist das Kind auf die Welt gekommen. Das scheint ihre Zeit zu sein um in jeden Tag zu starten. Dann wird oft gebloggt, der Tag geplant, gefrühstückt, manchmal gejoggt und was man sonst eben am Morgen macht. Gerade versuchen wir auch den dritten Brei einzuführen (wir Rabeneltern halten uns aber nicht so genau an die Vorschriften). Um 10 Uhr ist das Kind dann bereit für den Vormittagsschlaf. Falls wir unterwegs sind passiert das in der Trage, sonst in unserem Bett. Je nach Schlaflänge gibt es gegen 12 oder 13 Uhr Mittagessen. Spätestens dann gehen wir raus zum Sightseeing, Wandern oder Baden. Um 15:30 ist das Baby wieder müde und schläft nach einer Stillmahlzeit im Auto oder der Trage. Gegen 18/19 Uhr sind wir dann wieder in der Unterkunft und es gibt den Abendbrei und Abendessen für die Großen. Um 20 Uhr wird das Baby einschlafgestillt und schwups ist ein Tag schon wieder vorbei.

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Wie reist es sich mit so einem kleinen Baby?

Super! Eine so entspannte Zeit werden wir bei Reisen mit Kind wohl nie wieder haben. Unsere Tochter war genau vier Monate alt, als wir abgeflogen sind und wird bei unserer Rückkehr länger auf der Süd- als auf der Nordhalbkugel gelebt haben. Mehr als Körperwärme und Milch braucht es in den ersten Monaten nicht und das haben wir in ausreichenden Mengen dabei.
Uns bleibt nur die Angst, dass sie von uns das gleiche Level an täglichem Entertainment erwartet, wenn wir wieder Zuhause sind.

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Was hat eure Familie zu eurer Reise gesagt?

Unsere Familien waren alle vorab sehr skeptisch und teilweise auch traurig, dass sie das Kind dann weniger sehen. Da die Großeltern jedoch alle 2 Autostunden entfernt wohnen hätten wir sie ohnehin nur max. einmal im Monat besucht (also alle 2 Monate), demnach fällt lediglich ein Besuch aus. Wahrscheinlich bekommen sie durch unseren Reiseblog auch viel mehr von ihrem Enkelkind mit, als es sonst der Fall gewesen wäre.
Jetzt, wo die Rückreise auch immer näher kommt, scheinen viele die Reise übrigens doch ganz cool zu finden.

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Wo geht es als nächstes hin?

Wir werden noch einige Tage hier in Cairns verbringen und anschließend mit einem Camper etwas die Küste lang in den Süden fahren. Dann geht es mit dem Flugzeug zurück nach Melbourne und von dort aus eine Woche später wieder nach Deutschland.

Wow, das ist ein langer Blogeintrag geworden. Möchtet ihr sonst noch irgendwas wissen?
Ich kann jedenfalls nur jedem uneingeschränkt eine solche Elternzeitreise empfehlen! Unterwegs werden wir oft für unseren Mut bewundert, aber eigentlich ist alles nur so kompliziert, wie man es sich selber macht.

Uns geht’s gut! … der Geburtsbericht

Hallo ihr Lieben,

ich weiß ich bin euch wirklich ein Update schuldig. Viele von euch haben auf dem einen oder anderen Weg nachgefragt und darüber habe ich mich riesig gefreut 😍.

Daher möchte ich euch an dieser Stelle kurz erzählen wie es uns geht und ergangen ist und in einem nächsten Post werde ich die Fragen zum Liebsten-Award der lieben Tina beantworten. (Danke schonmal für die Nominierung … ich fühle mich sehr geehrt 😍).

Um die Spannung in Grenzen zu halten gibt es das Happy End (bzw. Happy Beginning) zuerst. Unsere Tochter hat an ET+12 (….also… wie ging das schnell nochmal … 41+5?!) das Licht der Welt erblickt. Sie ist kugelrund und gesund (und für die Uhrzeit ein bisschen zu munter 😀).

Hier also der Geburtsbericht. Wer den Spaß in nächster Zeit vor sich hat sollte hier eventuell mit lesen aufhören. Das ganze ist auch etwas länger geworden und dient mir wohl mehr zur therapeutischen Verarbeitung.

Sonntag

Am Sonntag (ET+9) mussten wir zur 2-tägigen Kontrolle ins Krankenhaus. Es war eine Mini-Wehe zu sehen, auf die ich Mega-Stolz war, aber die Hebamme hat es nicht einmal angesprochen. Anschließend würde ich sehr lange geschallt, da die Einleitung schon sehr naheliegend war. Das Gewicht wurde auf 3700g geschätzt und es sprach nichts gegen eine natürliche Geburt. Der Muttermund blieb jedoch weiterhin geschlossen. Man bot uns eine ambulante, mechanische Einleitung mittels Ballonkatheter an. Da ich bereits wusste, dass unser Krankenhaus dieses Vorgehen üblicherweise verwendet war mir die Information nicht neu. Allerdings wusste ich nicht, dass man damit nochmal nach Hause darf. Da ich mit einer stationären Aufnahme ab ET+10 gerechnet habe entschied ich mich also den Katheder bereits am selben Abend einsetzen zu lassen. Bei vielen Patienten führt dieser „Anstups“ zum Wehenbeginn und weil ich die Nase voll vom Schwangersein hatte, war ich optimistisch bald meine Tochter in den Armen zu halten.

Gegen 18 Uhr wurde der Katheter gelegt (ich erspare mir mal eine Erklärung zur Funktionsweise). Es gibt schöneres aber alles in allem war es aushaltbar. Wir verließen also frohen Mutes das Krankenhaus mit der Aufforderung am Montag um 8 Uhr frühs wieder zukommen um den Katheter entfernen zu lassen und die medikamentöse Einleitung zu starten.

Wir fuhren mit dem Auto nach Hause, obwohl wir nur 5 Minuten vom Krankenhaus entfernt wohnen. Und plötzlich gingen die Wehen los. An unserer Haustür war ich mir unsicher ob ich die Treppen in die erste Etage noch schaffen würde oder wir lieber gleich wieder zurück fahren sollten. Aber da sich bei Bilderbuch-Erstgebährenden der Mumu nur um 1cm pro Stunde öffnet entschied ich die Zähne zusammen zu beißen und so lange wie möglich Zuhause die Wehen zu veratmen. Das diese im Abstand von etwa 7 Minuten kamen schickte ich meinen Mann nochmal ins Bett. Ich selbst ging auf die Couch und verbrachte die nächsten Stunden mit Atmen und Timen. Die Wehen waren schon sehr heftig, aber eben noch in langen Abständen.

Montag

Gegen 3Uhr nachts weckte ich meinen Mann, da die Wehen nun im 3-4 Minuten Abstand kamen und ich tapfer 6h lang Wehen veratmet hatte. Das hieß für mich, dass der Mumu ca. 6cm geöffnet war… 😊
Nach einem kurzen Telefonat mit dem Kreissaal machten wir uns also startklar. Auf dem Weg zum Auto musste ich mehrmals stoppen und Wehen veratmen und plötzlich überkam mich ein furchtbarer Schüttelfrost. Auf einmal hatte ich Angst, dass wir es nicht mehr rechtzeitig zum Kreissaal schaffen würden. Das einzige was mir auffiel war, dass der Weg zum Krankenhaus wahnsinnig viele Schlaglöcher hatte …

Im Krankenhaus wurden wir recht schnell in ein Wehenzimmer gebracht und das CTG zeigte richtig schöne Wehen… meiner Meinung nach. Eine Kontrolle des Muttermundes ergab dann die ernüchternde Nachricht: Muttermund geschlossen. Alles wie gestern. O-Ton Patientin ist etwas empfindlich. Der Katheter wurde entfernt, ich bekam eine Paracetamol und wurde auf der Wochenbettstation aufgenommen. Ab dem Punkt ging es psychisch bergab bei mir. Wenn derartige Schmerzen nur müde belächelt wurden, wie schlimm würde dann die Geburt sein? Ich hatte also furchtbare Angst und bat meinen Mann die Nacht bitte bei mir zu bleiben. Die Wehen verschwanden nach dem Ziehen des Katheters und eigentlich hätte ich die Zeit gerne zum Schlafen genutzt, nur war ich eben auf der Wöchnerinnen-Station und wie es da so üblich ist waren außer uns zwei noch ein Elternpaar mit seinem Neugeborenen da. An Schlaf war also nicht zu denken.

Um 8Uhr bekam ich dann eine halbe Dosis Cytotec und hing eine gute halbe Stunde am CTG. Da nicht wirklich etwas passierte gingen wir spazieren und wiederholten das Prozedere am frühen Nachmittag und am Abend nochmal. Zwischendrin fehlte mir der Appetit um etwas zu Essen und dank Obstipation und der Angst vor der „Explosion auf dem Kreissaalbett“ bekam ich einfach nichts herunter.

Nachts durfte mein Mann nach Hause um sich eine Mütze Schlaf zu holen. Vor lauter Aufregung und Sorge schlief ich nur 2-3h und bekam dann auch eine neue Zimmernachbarin mit einem Neugeborenen, weswegen spätestens dann an Schlaf nicht mehr zu denken war.

Dienstag

Um 8 Uhr grüßte das Murmeltier, nur diesmal mit der kompletten Dosis Tabletten. Der Muttermund-Befund ergab: Fingerdurchlässig. Langsam tat sich also was im Unterleib und ich verspürte wieder leichte Wehen, welche vom CTG jedoch nicht erfasst wurden. Das spazieren gehen viel mir deutlich schwerer und an Essen war nicht zu denken. Kurz nach dem Mittagessen gab es dann eine erneute Dosis Tabletten und ich war nicht mehr in der Lage das CTG im Liegen durchzuführen. Wir sollten wie am Vortag gegen 18 Uhr für die 3.Dosis wiederkommen. Zurück auf Station löste sich mein Schleimpfropf und mittelmäßige Blutungen setzten ein. Außerdem wurden die Wehen deutlich stärker, so dass ich mich überall festhalten und veratmen musste. So schlichen wir also die Wochenbett-Station auf und ab, die Treppen runter und mit dem Fahrstuhl wieder hoch (Super Tipp aus dem Geburtsvorbereitungskurs). Ich fühlte mich an die Kinderwunschzeit erinnert. Alle hier hatten glücklich ihr Baby im Arm, aber wir mussten immer noch darauf warten. Der Vergleich klingt jetzt bescheuert, aber in dem Moment gab es mir wieder den altbekannten Stich ins Herz.

Gegen 17Uhr hielt ich es nicht mehr aus. Die Wehen kamen im Abstand von 3 Minuten und ich wollte die Geburt einfach nur irgendwie hinter mich bringen. Im Kreissaal kam ich wieder ins CTG-Zimmer und man überlegte ob man mir noch eine weitere Dosis Tabletten geben sollte, da das CTG kaum Wehen zeigte. Ich war fix und fertig. Das einzige was ich noch wollte waren Schmerztabletten. Ich würde behaupten, dass ich nicht wirklich schmerzempfindlich bin und einiges wegstecken kann, aber in dem Moment hielt ich mich langsam selbst für ein Weichei und ich beteuerte in den Wehenpausen nur, dass die Wehen wirklich stark waren.

Nach einer kurzen Wartezeit durften wir gegen 19 Uhr das Wehenzimmer beziehen. Mir wurden verschiedene Schmerzmittel vorgeschlagen und zur Vorbereitung nochmal der Muttermund untersucht. Befund: fingerdurchlässig. Das gab mir den Rest, nachdem ich seit 15 Uhr sehr starke Wehen hatte und sich dennoch nichts am Muttermund getan hatte ging ich davon aus, dass ich das ganze nicht überleben würde. Man konnte mir nur Buscopan geben und bot mir die Wanne an. Da ich aber baden absolut nicht leiden kann und dort meist auch Kreislauf-Probleme bekomme ließ ich mich nicht überreden.
Ich wurde von einer Wehe nach der anderen erfasst und merkte wie mir aufgrund des Schlaf- und Essenmangels schnell die Kräfte schwanden. Ich konnte kaum noch stehen oder sitzen während einer Wehe. Wie in Trance starrte ich das CTG an, welches den Beginn der nächsten Wehe ankündigte. Zwischendurch drehten sich meine Gedanken nur darum wie ich jemand dazu bekommen könnte mir die Pulsadern aufzuschneiden, ob ich es auf das Dach schaffen könnte um zu springen oder ob ich die Polizei anrufen könnte, damit sie mich aus dieser Folter-Situation befreiten. Das klingt im Nachhinein wirklich lächerlich, aber genau das waren meine Gedanken.
Die Hebammenschülerin fragte mich immer: „Kann ich Ihnen was bringen?“ Worauf ich „Schmerzmittel“ antwortete. Sie erklärte mir dann, dass ich diese ja nicht bekommen dürfte und ob ich sonst etwas möchte. Darauf habe ich nur mit „Sterben!“ geantwortet. Sie ging dann öfters für längere Zeit raus um den Arzt zu suchen und zu fragen ob ich Schmerzmittel haben dürfte. Anschließend teilte Sie mir mit, dass ich in 10 Minuten etwas bekommen würde. Die Stunden verstrichen und ich erklärte meinem Mann, dass ich zwar unter Schmerzen stehe, aber nicht blöd sei und ja schon noch in der Lage war eine Uhr zu lesen und ich diese Hinhalte-Taktik total scheiße fand. Die Kontrolle um 20 Uhr ergab: Muttermund fingerdurchlässig. Es hatte sich nichts getan! Ich war am Ende. Ich flehte meine Mann nur noch an mir zu helfen. Ich ging davon aus, dass ich aufgrund des Geburtsfortschrittes nicht einmal annähernd den stärksten Wehen nahe war und konnte mir einfach nich vorstellen wie jemand noch mehr Schmerzen aushalten kann. Mir war wirklich alles egal und ich wollte nur noch sterben.

Die Kontrolle um 22 Uhr ergab dann: Muttermund 5cm geöffnet. Und meine Worte waren nur noch gepresst: „Dann kann ich jetzt Schmerzmittel haben?“ Woraufhin die Hebamme meinte, dass ich ja bereits Buscopan bekommen hätte. Ich weiß nicht wo ich die Kraft für die Diskussion her nam, aber „Buscopan ist kein Schmerzmittel!“ „Doch ist es.“ „Dann will ich was stärkeres!“

Als sie anfing aufzuzählen was ich haben könnte unterbrach ich sie laut mit dem Wort „PDA!“. Kurze Zeit später kam der nette Anesthäsist und begann mit der Aufklärung, während ich mir nur dachte „Red schneller!“. Ich hatte wieder mit unkontrollierbarem Schüttelfrost zu kämpfen und wand mich auf der Liege vor Schmerzen und Klappern hin und her, während er netterweise in den Wehen nichts sagte.

Etwa 15 Minuten später durfte ich mich unter lautem Schreien (Schmerz) und eine Blutspur hinter mir her ziehend in ein anderes Zimmer schleppen wo mir letztendlich die PDA gelegt wurde. Was für ein Segen! Die Schmerzen waren weg und ich fühlte nur noch die regelmäßige Verhärtung des Bauches. Die Kontrolle um 23:30 ergab: Muttermund 9cm geöffnet. 

Wir kamen also in den Kreissaal. Bei dem Tempo rechnete ich mit einer Geburt noch am selben Tag.

Mittwoch

Ab jetzt verliert sich mein Zeitgefühl. Der Muttermund war schnell vollständig geöffnet, jedoch ließen die Wehen aufgrund der PDA nach und kamen nur noch etwa alle 5-8 Minuten. Wir nutzten die Anfangszeit um etwas zu dösen und Musik zu hören. Außerdem probierte ich verschiedene Geburtspositionen aus, was ich jedoch nach kurzer Zeit aufgrund von Kreislauf-Problemen einstellen musste.

Ich wurde an einen Wehentropf angeschlossen und in regelmäßigen Abständen wurde die Position und Situation des Kindes kontrolliert. Die Wehen wurden wieder stärker, waren aber Dank der PDA noch gut aushaltbar. Gegen 3 Uhr wurde auch eine Ärztin dazu geholt, da die Herztöne des Kindes in den Wehen deutlich absackten. Hin und wieder sollte ich pressen, wobei sich das Kind auch bis zum entscheidenden Punkt im Geburtskanal vorbewegte, diesen jedoch nicht überschritt, sondern anschließend wieder zurück rutschte. Ich wurde gebeten in den Wehen tief in den Bauch zu atmen und auf dem Monitor konnte ich erkennen ob ich es richtig oder falsch machte, je nachdem wie sehr die Herztöne fielen.
Man begann regelmäßig Blut aus dem Kopf des Kindes zu nehmen um die Sauerstoffversorgung zu überprüfen. Außerdem wurde der Wehentropf immer weiter hoch gestellt, da die Geburt nicht die gewünschte Fahrt aufnahm. Gegen 5 Uhr viel dann das erste  Mal das Wort „Kaiserschnitt“ und ein Oberarzt wurde zur Einschätzung der Situation gerufen. Er gab uns noch eine Stunde um das Kind auf natürlichem Weg auf die Welt zu bekommen.
Da sich in den letzten Stunden nicht viel getan hatte, war ich nicht sehr optimistisch das zu schaffen. Der Tropf wurde hochdosiert und mein Mann und ich blieben alleine im Kreissaal zurück. Als Medizinstudent begutachtete er das Equipment ausführlich und stellte plötzlich unsicher fest, dass der Wehentropf am Zugang geschlossen zu sein schien und ich überhaupt keine wehenfördernden Mittel erhielt. Wir hatten kein gutes Gefühl den Hebammen und Ärzten reinzureden, aber andererseits lief uns die Zeit davon. Er äußerte also draußen seine Befürchtung und die erstaunte Hebamme gab ihm recht und öffnete die Schranke am Zugang … ohne die Dosierung runter zu regulieren …

Binnen weniger Sekunden erwischte mich ein Wehensturm der sich gewaschen hatte. Ich war nur noch am Wimmern, um Erlösung betteln und hin- und her werfen auf dem Kreisbett. Der Tropf wurde abgenommen ohne das es zu einer Besserung kam. Man riet uns zu einem Kaiserschnitt und gab uns 5 Minuten Bedenkzeit. Das Worst-Case-Szenario war eingetroffen. Ich wollte absolut keinen Kaiserschnitt aber gleichzeitig wollte ich die Gesundheit meiner Tochter nicht gefährden. Mein Mann versuchte mit den Ärzten zu verhandeln, aber mangels Alternativen viel der Entschluss zum Kaiserschnitt dann doch recht schnell.

Der Kaiserschnitt

Plötzlich war der Kreissaal voll mit Leuten. Ich musste Zettel unterschreiben, Flüssigkeiten trinken, wurde rasiert, eingejodet, umgezogen und ähnliches. Die Schmerzen waren immer noch unerträglich, weswegen es nicht klar war ob die PDA noch korrekt saß. Im OP kam auch mein Mann wieder dazu. Da er sich wie im Studium desinfizierte gab es schon Späße, dass er ja die OP durchführen könne. Mir war nicht wirklich zum Spaßen zumute. Ich habe ihm bestimmt 10x  gesagt, dass er bitte sicherstellt, dass ich ausreichend betäubt bin. (Eine Freundin hat mir hierzu mal eine Horrorgeschichte erzählt und ich konnte an nichts anderes denken). Alles war wie bei einem Kaiserschnitt Standard (Tuch zwischen uns etc.) Viel habe ich nicht gesehen, da ich ja auf der Liege festgebunden war und nur an die Decke starren konnte. Aber Mittwoch ist im Krankenhaus Kaiserschnitt-Tag und dementsprechend waren ausreichend Kinderärzte, Schwestern, Chirurgen, Studenten und Anästhesisten anwesend.
Plötzlich merkte ich wie mir jemand in den Bauch stach und bekam nur noch Panik. Glücklicherweise wurde ich sofort im Anschluss darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um einen Test handelt und man noch weitere 5 Minuten warten würde bis die Schmerzmittel wirken würden.
Am liebsten hätte ich eine Vollnarkose gehabt. Ich hatte schon ein paar OPs und das ist ja eigentlich das Beste daran. Man bekommt den Kram nicht mit.
Plötzlich ging es los. Das Gefühl wenn einem jemand den Bauch aufschneidet ist nicht zu beschreiben aber schön ist was anderes. Chirurgie ist wirklich ein grobes Handwerk. Ich wurde nur so durchgeschüttelt und überall wurde gedrückt und gezogen. Um mich abzulenken und weil ihm die Worte fehlten erzählt ich alle Vorteile eines Kaiserschnitts auf… kein eingedellter Kopf, keinen Dammriss… und ich glaube mir vielen noch ein paar andere Sachen ein.
Dann hörten wir den ersten Schrei. Das ganze war so unwirklich. Ein fettes rotes Bündel wurde am Vorhang vorbei gezeigt und wir sahen nur einen Riesenkopf. Als würde unser Kind nur aus Kopf bestehen. Dann wurde sie direkt ins Nebenzimmer gebracht und dort untersucht. Das Zimmer hatte zwar eine Glaswand, aber irgendwie habe ich mich nicht drauf konzentriert. Ich war froh, dass es vorbei war. Das Nähen dauert noch 20 Minuten. Alle scherzten und die Stimmung entspannte sich sichtlich. Dann gab es auch das OK der Kinderärztin und unser kleines Bündel wurde zwischen meinen Kopf und meinen Mann gelegt.
Da waren wir nun am Ziel und irgendwie war alles total unwirklich. Was jetzt? Was machen wir jetzt mit dem kleinen Bündel Mensch?

Nach 10 Wochen kann ich jetzt relativ entspannt auf die Geburt zurückblicken. Die ersten Wochen hatte ich jedoch stark mit den Gedanken daran zu kämpfen und bei jedem Versuch darüber zu sprechen brach ich in Tränen aus. Eigentlich ist alles schief gelaufen was nur schief laufen konnte. Einen Grund für den Geburtsstillstand konnte nicht gefunden werden. Manchmal ist es wohl einfach so.

Ich frage mich heute immer noch folgende Dinge:

  • Habe ich zu schnell einleiten lassen? Wäre sie ein paar Tage später bereit gewesen selbst auf die Welt zu kommen?
  • Hätte die Wanne geholfen?
  • Hätte ich um einen Einlauf bitten sollen um meine Angst zu drücken und zu Essen zu lindern?
  • Da ich das Maximum an Schmerzen erreicht und ausgehalten hatte, hätte ich es nicht noch länger ohne eine PDA schaffen können?
  • Hätte ich im Kreissaal mich mehr anstrengen sollen und die Positionen wechseln sollen?
  • Was wäre gewesen, wenn ich ausgeschlafen und mich gut ernährt hätte?

Ich werde wohl keine Antwort auf die Fragen finden. Fest steht für mich jedoch, dass ich im Zweifelsfall einer Einleitung nicht mehr zustimmen würde. Sollte ich noch einmal übertragen würde ich bis zum maximalen Zeitpunkt abwarten und direkt einen Kaiserschnitt wählen. Die Erfahrung war definitiv nicht schön, aber das Wochenbett hätte sich einfacher gestaltet, wenn ich nicht bereits vier Tage durchgehend wach gewesen wäre.

 

 

Einleitung? Einleitung!

So, wir sind bei 41+2 angekommen und der Nachwuchs kuschelt immernoch im Bauch. Das CTG hat heute im Krankenhaus zwar das erste Mal Wehen gezeigt, aber sie waren absolut schmerzlos und wurden daher nicht weiter beachtet. Die Maus wurde auf etwa 3.700g geschätzt und alle Werte waren gut. 

Da ich heute bei ET+9 bin hätte ich auch noch einen Tag warten können, aber ich finde, dass wir jetzt genug gewartet haben und es auf den einen Tag mehr oder weniger nicht ankommt. Die Einstellung habe ich aber wohl nur, weil in meinem Krankenhaus die Einleitung abends beginnt und ambulant durchgeführt wird. D.h. man bekommt einen Katheder vor und hinter den Muttermund gelegt und darf damit dann wieder nach Hause. 12h später muss man sich dann im Krankenhaus einfinden und erst dann beginnt die Medikamentengabe (falls nötig).

Heute Abend geht es also wieder ins Krankenhaus und ich kann noch eine Nacht im eigenen Bett verbringen 😊.

42. SSW – Einleitung?

oder wie mein Mann dem Bauch frühs erzählt: „Mama hat keine Lust mehr, Papa hat keine Lust mehr, nur du machst was du willst!“ 😜

Die Tage ziehen sich jetzt schon seit einer Weile wie Kaugummi und mit 41+0 habe ich meinen Freifahrschein zum Jammern erhalten (habe ich ja vorher noch nicht gemacht 😉). Wer also keine Lust hat auf Gejammer, der sollte jetzt lieber nicht weiterlesen.

Der 2-Tage-Vorsorge-Rythmus beim Frauenarzt hat begonnen und leider bin ich dadurch fast immer bei meiner Vertretungsärztin, welche ordentlich einen an der Waffel hat. Bisher war so ziemlich alles was sie gesagt hat falsch. Als sie uns also letzten Freitag alles Gute für die Geburt gewünscht hat und meinte, dass wir uns wohl nicht mehr sehen, wusste ich daher schon, dass das wohl eine längere Geschichte wird.

Bisher bin ich an die ganze Geburt eigentlich ganz locker ran gegangen. Komme was wolle … wenn die Schmerzen zu doll sind, nehme ich ne PDA, wenn nicht dann nicht … in die Wanne muss ich nicht unbedingt und den Rest lassen wir auf uns zukommen … tja … und jetzt kommt NIX. Darauf war ich nicht vorbereitet. Also habe ich in den letzten Tagen erstmal begonnen mich mit den verschiedenen Methoden der künstlichen Geburtseinleitung zu beschäftigen. Spätestens nach der Lektüre des Wikipedia Artikels dachte ich mir: „Das könnt ihr ohne mich machen“. Dort stolpert man nämlich über so schöne Formulierungen wie:

  • häufiger zum Kaiserschnitt
  • ungünstig auf die anfängliche Mutter-Kind-Bindung auswirken kann und es später häufiger zu Schwierigkeiten beim Stillen und zu exzessivem Schreien im Säuglingsalter kommen kann
  • Es kommt aber auch häufiger zu einem Wehensturm
  • sehr häufige Nebenwirkung Übelkeit und Durchfall
  • juristisch problematischen Einordnung als Off-Label-Medikament

Gegenüber steht das natürlich der Aussage:

Ungeachtet der Art der Übertragung steigt die perinatale Sterblichkeit der Kinder an, je länger die Übertragung fortdauert.

Ich bin also furchtbar hin- und hergerissen, wann und wie ich eingeleitet werden möchte. Dazu kommt, das mir nicht nur die Wehen fehlen, sondern auch der Muttermund noch geschlossen ist und hoch steht, was den Einsatz von vielen Verfahren (künstlich oder natürlich) auch ausschließt.

Besonders spannend ist das noch die Frage, warum Kinder den Termin überschreiten. Fast überall finde ich dazu dann die Aussage, dass der Zeitpunkt der Befruchtung ja nicht eindeutig bestimmt werden kann. ABER wir hatten eine IVF! Wir wissen den Zeitpunkt auf die Minute genau! Und plötzlich beginnt das Gedankenkarussel. „Vielleicht ist das Kind nicht lebensfähig und will deshalb nicht raus.“ …“Vielleicht ist es zu groß und kann nicht“… und und und.

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Ich warte auf unseren „Goldtopf“ am Ende des Regenbogens und darauf, dass der Weg dahin nicht mehr lang ist.
Mich erinnert meine aktuelle Stimmung sehr an die Zeit während des Kinderwunsches. Ich fühle mich als Frau irgendwie unvollständig und unfähig den natürlichsten Vorgang der Welt hinzubekommen. Erst brauchen wir ganz viel Medizin um das Kind in den Bauch zu bekommen, dann ganz viel Medizin um es raus zu bekommen und zu dem ganzen Glück fehlt dann nur noch eine Wochenbettdepression und dass ich nicht stillen kann.
So traurig das klingt, aber die ganzen Arzttermine und die Ungewissheit rauben mir aktuell jede Vorfreude, die ich die ganzen letzten Wochen mit mir rumgetragen habe. Ich fühle mich nur noch wie ein ausgelaugter Versager der versucht irgendwie den Tag tot zu kriegen und genau dadurch bekomme ich wieder ein schlechtes Gewissen und fühle mich noch schlechter. Das hatte ich mir alles anders vorgestellt.

So, ich bin dann mal die Haltbarkeitsdaten der Geburtssnacks überprüfen und Staub von der Krankenhaustasche wischen … 😦

Warten …

38+6. Ich warte, dass es los geht. Um mir die Zeit zu vertreiben habe ich mal meine Bauchbilder sortiert, bearbeitet und eine kleine Collage zur Entwicklung gemacht (s. Beitragsbild). Ich erinnere mich, wie dick ich mich mit meinen +4kg in der 14. SSW gefühlt habe. Wenn ich mir die Bilder jetzt so anschaue, dann freue ich mich, wenn ich in ein paar Monaten vielleicht wieder so aussehe.
Momentan habe ich jedenfalls die Nase voll vom Schwanger-sein und verfluche die blöden Streifen, die jetzt echt noch in den letzten Tagen am Bauch und vorne an den Oberschenkeln auftauchen müssen 😦 …

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Außerdem hat es sich so ergeben, dass mein L-Thyroxin-Blister genau am vET zu Ende ist. Ich kann also jeden Morgen ein „Kalendertürchen“ öffnen. Der einzige Unterschied ist nur, dass die Chancen nur bei 5% stehen am letzten Türchen auch „die Bescherung“ zu erleben. Lustig ist es trotzdem.

Die 38. SSW …

… beginnt morgen. Wir stecken also mitten im Endspurt. Mir geht es erstaunlich gut. OK, ich kann nicht mehr richtig schlafen und auch sonst muss ich natürlich alles viel langsamer angehen. Aber seitdem ich diese Tatsache akzeptiert habe läuft es eigentlich richtig rund. Kugelrund sozusagen.

Allerdings merke ich, dass sich die Schwangerschaft dem Ende zu neigt. Ich würde sogar behaupten, dass ich merken kann wie mein HCG-Wert langsam absinkt. Die Übelkeit vom Anfang ist zurück. Ich muss meine Haare wieder öfters waschen. Ich finde dass ich stinke 😀 (ist das nicht so ein typisches Wochenbett-Ding?). Und meine Haut wird wieder etwas besser. Und die Albträume sind wieder zurück. Heute Nacht habe ich geträumt, dass mein Mann die Scheidung eingereicht hat und spurlos verschwunden ist. Dann bin ich heulend in einem leeren Bett aufgewacht … Bis Samstag bin ich nämlich noch Strohwitwe. Aber bald ist es ja geschafft.

Schwangerschaftsstreifen habe ich bisher nur an den Oberschenkeln. Dafür aber richtig viele und ringsherum. *Klopf auf Holz*, dass der Bauch verschont bleibt. Bisher habe ich 15kg zugenommen und hoffe das es nicht mehr so viele mehr werden *schäm*.
Was außerdem nicht weggeht sind die Sorgen. Seit 3 Tagen sind die Kindsbewegungen mal wieder deutlich weniger. Ich hoffe es ist wieder nur so ein Schub, aber wenn man dann im Internet liest, dass man sofort in die Notaufnahme soll, wenn man innerhalb von 2h nicht 10 Kindsbewegungen spürt, dann stresst einen das schon. Was wenn ich nicht rechtzeitig reagiere und somit den Tod meines Kindes in Kauf nehme? Was zählt eigentlich bei Kindsbewegung? Ist einmal Schluckauf mit 10 Hicksern = 10 Bewegungen oder nur Eine … ich weiß, ich weiß: „don’t google with Kugel“.

Ansonsten kann ich nur sagen: „Ich hasse Kinder“ 😀 … Naja das wäre vielleicht ungünstig formuliert, aber wir wohnen gegenüber einer Montessori-Schule (1.-10. Klasse), was mir bei der Besichtigung der Wohnung nicht so schlimm vor kam. Bisher hat es mich auch nicht gestört, da ich während der Schulzeit arbeiten war. Aber jetzt wo die Sommerferien vorbei sind frage ich mich schon warum Kinder so schreien müssen, als würde sie jemand erstechen? Meine Mittagsschläfchen sind jedenfalls getaktet mit den Pausenzeiten.

Womit lenke ich mich sonst so von der nahenden Geburt ab?
Mit Autokauf und unserer Elternzeitreise. Von Autos habe ich echt null Ahnung. Meine Eltern hatten eigentlich nie eins, deswegen habe ich so Kram wie TÜV, Reifenwechsel, Versicherung nicht so mit aufgeschnappt und habe jetzt wo wir Ende des Jahres unseren Leasing-Wagen übernehmen wollen viel Nachholbedarf.
Und die am Rande erwähnte Elternzeitreise ist seit vielen Jahren mein großer Traum. Ich habe schon immer gehofft mit meinem Mann mal eine etwas längere Auszeit nehmen zu können und dabei hat sich die Elternzeit immer als optimale Lösung angeboten. Die letzten Jahre habe ich also nur auf dieses Ziel hingespart (und auf den KiWu, gezwungenermaßen). Und es geht in das Elternzeit-Reise-Land #1: Neuseeland (evtl. + Australien). Ich selbst habe bereits ein Jahr dort gelebt und freue mich jetzt umso mehr diese Erfahrung mit meiner kleinen Familie teilen zu können.
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Es werden also fleißig Reiseführer gewälzt, Preise verglichen und Pläne geschmiedet. Der Flug und der Wohnwagen für die ersten 2 Monate sind schon gebucht. 4 Monate sind wir insgesamt unterwegs. Jetzt müssen wir uns nur noch überlegen was wir mit 4 Monaten Freizeit anstellen wollen?! o.o
Außerdem muss das Kücken noch gesund schlüpfen und die Familie langsam und behutsam eingeweiht werden. Und speziell das letztere wird bestimmt ein Spaß … nicht.

 

Gendering

Wisst ihr schon was es wird?
Die Frage verfolgt uns überall hin und ich beantworte sie meist nur mit „Ja“. Denn zum einen wissen wir das seit der 14.SSW relativ eindeutig und zum Anderen wissen wir noch länger, dass wir es Niemandem vor der Geburt erzählen (… naja. Weiter unten werdet ihr es erfahren.).
Mein Mann sagt meistens auch noch: „Es wird kein Fahrrad“.

Es ist wirklich beeindruckend wie viele Leute es stört das Geschlecht unseres Kindes nicht zu erfahren. Ich sehe darin aber keinen Unterschied. Im Gegenteil es wäre doch traurig, wenn sich alle auf einen gesunden Jungen freuen und es plötzlich ein gesundes Mädchen wäre. Die Neugier geht so weit, dass uns die Schwiegereltern bitten ihnen einfach schon unseren Jungen- und Mädchennamen zu verraten, damit sie wenigstens das wissen. Aber neeee … gemeckert wird eh und ich finde den Namen so wunderschön, dass er erst gesagt wird wenn er fest auf den Papieren steht. Meinungen brauchen mein Mann und ich da nicht.

8-_us_2016-06-14
Das einzige scharfe Profil – 23.SSW

Aber jetzt schmeiße ich schon wieder viele Themen durcheinander. Das Thema „Gendering“ liegt mir sehr am Herzen. Ich würde mich durchaus stolz als Feministin bezeichnen und jeder der mich kennt meidet das Thema Gleichstellung bzw. Frauenförderung meist tunlichst um nicht in Grund und Boden geredet zu werden. Vielleicht erklärt das meine gemischten Gefühle, als wir erfahren haben, dass wir ein Mädchen bekommen werden. Juhu … wir sind #teamrosa und bekommen eine #Prinzessin. Das sind die Reaktionen die ich meistens auf Instagram oder anderen Blogs lese. Persönlich könnte ich da nur kotzen. Für mich bedeutet es eine große Verantwortung. Die Verantwortung eine selbstbewusste, unabhängige, starke junge Frau zu erziehen in einer Gesellschaft, welche heute stärker den Rollenklischees unterlegen ist als noch vor 50 Jahren (frei zitiert aus der „Zeit„).

Seit wir nun von unserem Glück wissen lese ich also viele Artikel zu dem Thema und muss zugeben, dass ich noch nicht den goldenen Pfad für mich gefunden habe.
Es gibt die extreme Variante des „gender-neutral parenting“, aber das finde ich schon sehr befremdlich. Und es geht mir auch nicht darum ein geschlechtsneutrales Kind zu erziehen oder ein Ziel dogmatisch zu verfolgen. Ich arbeite jedoch als Ingenieurin in einem sehr männlich dominierten Umfeld und merke einfach jeden Tag, wie man als Frau eben nicht gleichberechtigt ist. Und genau auf diese Situationen möchte ich meine Tochter bestmöglich vorbereiten und ihr vermitteln: „Lass dir von niemandem einreden (auch nicht von dir selbst), dass du das nicht kannst.“

Aktuell sauge ich daher spannende Artikel und Bücher zu dem Thema auf wie ein Schwamm. Vielleicht bleiben ja ein paar Dinge hängen. Bisher sind wir noch mit fast allen Entscheidungen bei Freunden und Familie auf verständnislose Blicke und Vorurteile gestoßen (z.B. Kinderwagen, Stoffwindeln, Geschlechts-Geheimnis, Kinderzimmer …) und viele Themen haben wir noch nichtmal angesprochen. Da werden wir diese Hürde auch noch meistern. Falls ihr bis dahin gute Tipps oder Literatur vorschlagen könnt bin ich schon glücklich 🙂

Hier noch ein paar geschlechts-neutrale Nähergebnisse 😀

Tabuthema Unfruchtbarkeit 

Jeden Tag öffne ich mindestens einmal meinen Blogroll und schaue wie es euch allen geht. Viele haben lieb mitgefiebert, sich mitgefreut und mich im Zweifelsfall immer wieder aufgebaut. Daher noch einmal 1000 Dank dafür. Viele von euch durften sogar in den letzten Monaten positiv testen oder zum ersten Mal ihr lang ersehntes KiWU-Baby in die Arme schließen und andere warten, hoffen, bangen immer noch. Beides geht mir immer noch furchtbar nah und genau das ist der Grund warum ich hier weiter schreiben möchte.

Ich kann die Kinderwunschzeit nicht einfach hinter mir lassen. Es ist wie ein Trauma, was mich oft wieder einholt und noch lange nicht verarbeitet ist. Sobald in Filmen, Büchern oder dem realen Leben irgendwer davon erzählt wie lange sie auf dieses Kind gewartet haben, bekomme ich einen fetten Kloß im Hals und möchte die Person nur noch in den Arm nehmen. Und obwohl das Thema eigentlich ein Tabuthema ist begegnet es mir doch so häufig. Aus diesem Grund gehen mein Mann und ich absolut offen damit um. Es ist für uns kein Geheimnis, dass unser Baby durch eine künstliche Befruchtung entstanden ist. Und wenn ich damit auch nur einer Person in meinem Umfeld helfen kann zu wissen, dass ich es auch durchgemacht habe, dass es ein Happy End geben kann, dass ich da bin und einfach nur zuhöre, dann hat es sich gelohnt.

Meinem Mann geht es ähnlich. Er studiert Medizin und hat gerade dieses Semester sehr viele Vorlesungen zu Gynäkologie und Kinderheilkunde. Er kommt jeden Tag nach Hause und erzählt von Ovarialinsuffizienz, Eileiterschwangerschaften und künstlicher Befruchtung. Zwei Dinge stören ihn am meisten. Zum einen wird eigentlich nie über die psychische Seite des unerfüllten Kinderwunsches gesprochen während er in der Vorlesung sitzt und ihm jedesmal wieder bewusst wird wie schwer die letzten Jahre für uns waren, was jetzt auf Folien in wenigen Minuten abgehandelt wird. Zum anderen wissen die wenigsten seiner Kommilitonen überhaupt wie lang ein normaler Zyklus ist. Bei Diskussionen über Ei- und Samenspenden wird gekichert und als das kontroverse Thema „Embryonenspende“ besprochen wird scherzelt es eine Reihe weiter vorne über die Geschäftsidee „Buy-me-a-Child“. Niemand ist bewusst, dass es sie mit einer Chance von 1:7 persönlich Treffen wird, egal ob sie die Fachrichtung wählen oder nicht. 

Ich erzähle alle Freundinnen, die aktuell wie ich auf die 30 zusteuern aber in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht Mutter werden, dass sie das Thema nicht verdrängen, sondern sich zumindest einmal aktiv mit „Social Freezing“ auseinander setzen sollen. Es könnte so viele Schmerzen ersparen, denn Eizellqualität ist ein so kostbares Gut und es gibt hier eigentlich keine medizinische Lösung um die Zeit zurück zu drehen.

Und dann ist da auch immer noch der kleine Stich ins Herz, wenn ich erfahre, dass eine Bekannte die erst seit kurzem mit ihrem Freund zusammen ist jetzt ihre  Schwangerschaft bekannt gegeben hat. Es hat nach ihrer gemeinsamen Weltreise plötzlich ganz schnell geklappt. Diesen schlechten Teil von mir möchte ich los werden. Ich möchte mich aufrichtig für sie freuen. Aktuell denke ich nur, dass ihr Babybauch hässlich ist 🙈 … aber ich arbeite an mir. Es gibt keine mehr verdienten Babys. Oder doch?

Uns geht’s gut

Nachdem ich hier eine Weile nichts mehr von mir hören lassen habe kommt jetzt das überfällige Update. 

Uns geht’s gut. Ich bin in der 10+4 SSW und langsam lässt die Übelkeit nach. Appetit ist schon lange wieder da und die Brüste tun auch nicht mehr weh. Lediglich die Müdigkeit ist weiterhin treuer Begleiter. Dem Küken geht es gut. Auch wenn der US heute eigentlich 3 Tage weniger angezeigt hat beim messen, sind wir optimistisch und glauben jetzt fest daran, dass wir tatsächlich im Oktober Eltern werden.

  
Wie haben wir die SS verkündet? 

Meiner Familie (Eltern + Schwester) habe ich es relativ schnell nach dem positiven Test gesagt, weil ich es nicht für mich behalten konnte, sie von der Behandlung wussten und ich im Zweifelsfall auch bei ihnen Trost gesucht hätte. Gefreut haben sich alle riesig. Meine Mutter und Schwester schleichen schon durch Babyabteilungen und meine Mutter hat schon den Kauf des Autositzes/Maxi Cosi für sich veranschlagt. ✅

Meine Kollegen haben mich enttarnt. Ich hatte in 2 Wochen 3 Termine vergessen und wurde dann vor versammelter Runde von meiner Kollegin im Scherz gefragt ob das Schwangerschaftsvergesslichkeit sei?! Tja, nachdem knallrot angelaufen bin, war die Antwort schnell klar und alle waren überrascht und sehr neidisch. Überrascht, weil ich als die totale Karriere-Sau gelte auf Arbeit und neidisch, weil es grad nicht so gut läuft auf Arbeit und alle gerne eine Auszeit nehmen würden.

Und die Schwiegerfamilie weiß noch nichts. 😊 Die Eltern meines Mannes haben ziemlich blöd reagiert, als wir ihnen von unseren Hochzeitsplänen erzählt haben. (Sie hatten sich gewünscht, dass wir nicht heimlich heiraten. Dem Wunsch sind wir nachgekommen und haben ihnen vor der Hochzeit davon erzählt und das wir zu zweit heiraten. Tja … man muss seine Wünsche schon genau formulieren) Jedenfalls haben wir entschieden solche News nur noch schriftlich mitzuteilen. Dann können sie ihre Emotionen sammeln und angemessen gratulieren. 

Und so sieht das Ganze dann aus:

  

 Die zukünftigen Großeltern und alle Urgroßeltern bekommen eine solche Kiste mit einem bemalten Ei. In dem Ei ist ein kleiner Zettel mit dem US-Bild und dem Spruch: 

„Überraschung!!! Ihr werdet im Okt/Nov 2016 Großeltern/Urgroßeltern. Liebe Grüße x & y“

Die Pakete sind in der Post und jetzt gibt’s kein Zurück mehr. 😊

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